Sehr geehrte Patient*innen!

In den letzten Tagen haben sich die Änderungen im Hinblick auf die Priorisierung und Durchführung der COVID-19-Schutzimpfungen überschlagen. Als wichtigste Änderung im bisherigen Verfahren ist sicherlich die Freigabe des Impfstoffes Vaxzevria® von AstraZeneca für alle Altersgruppen ohne Priorisierung, sowie die optionale Verkürzung des Impfintervalls zwischen zwei Vaxzevria-Impfungen von 12 auf 4 Wochen zu nennen.

Wir als Ihre Hausärztin/Ihr Hausarzt halten diese Änderung aus folgenden Gründen für sehr problematisch:

  1. Vaxzevria® scheint bei einer bestimmten Gruppe, vorwiegend junger Menschen, das Risiko für Sinusvenenthrombosen zu erhöhen. Dieses Krankheitsbild ist zwar recht selten, geht aber in der Regel mit einer hohen Sterblichkeit und einem hohen Risiko für schwere Behinderungen einher. Gemäß einer Veröffentlichung der Gesellschaft für Thrombose-und Hämostaseforschung e.V. vom 01.04.2021 (Link zur Originalveröffentlichung der GTH) traten bis zu diesem Zeitpunkt 31 Fälle einer Sinusvenenthrombose bei insgesamt 2,2 Millionen Impfungen mit Vaxzevria® auf. Dies entspricht einer Wahrscheinlichkeit von ca. 1:71.000. Besonders betroffen waren hierbei Frauen in einem Alter von 20-63 Jahren. Der Mechanismus, welcher diese schwere Nebenwirkung auslöst, ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Somit ist es auch schwierig einzugrenzen, welche Personengruppe ein besonders hohes Risiko für diese gravierende Nebenwirkung hat.

  2. Die Verkürzung des Impfintervalls auf 4 Wochen geht, gemäß den bisher vorliegenden Studiendaten mit einer deutlichen Verminderung der Schutzwirkung von Vaxzevria® einher. Diese beträgt bei einem Intervall von 4 Wochen ca. 55 % und bei einem Intervall von 12 Wochen ca. 81 % für alle Formen der COVID-19-Erkrankung (Link zur Originalveröffentlichung im Lancet). Wir halten daher eine Verkürzung des Impfintervalls für sehr problematisch!

  3. Es stehen grundsätzlich mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zur Verfügung, die, gemäß den aktuellen Erkenntnissen, nicht mit einem erhöhten Risiko für Sinusvenenthrombosen einhergehen und in einem kürzeren Intervall ohne Wirkungsverlust geimpft werden können. Diese sind Stand jetzt unproblematisch für jüngere Menschen. Da die Menge dieser Impfstoffe aber voraussichtlich noch einige Wochen begrenzt ist, stehen diese aktuell nicht außerhalb der Priorisierung zur Verfügung.

Wir haben daher für unsere Praxis entschieden, dass wir Vaxzevria®, gemäß den derzeitigen Empfehlungen der STIKO, ausschließlich bei Patienten jenseits des 60. Lebensjahres einsetzen. Wir finden es sehr problematisch, dass durch die jetzigen Lockerungen für geimpfte Personen, gerade bei den jüngeren Mitmenschen ein Druck erzeugt wird, sich auf eigenes Risiko für eine Impfung zu entscheiden, die gerade in dieser Altersgruppe massive Nebenwirkungen entfalten kann.

Sicherlich befürworten wir grundsätzlich ganz klar eine Impfung gegen SARS-CoV-2! Allerdings halten wir es für unsere Verpflichtung, unsere jüngeren Patienten mit dem für Sie optimalen Impfstoff zu versorgen und keinen unnötigen Risiken auszusetzen.

Wir bedanken uns für Ihr Verständnis!

Dr. med. Christiane Lipps

Fachärztin für Innere Medizin

Stefan Zahedi

Facharzt für Allgemeinmedizin

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